Grußworte

 

Die Haltung von Damwild in landwirtschaftlichen Gehegen (Wild farming) ist eine wiederentdeckte Alternative zur Nutzung von Grünlandflächen. Schon bei den Römern war die Hege von Wildtieren in Gehegen nahe der Wohnstätten bekannt, und man bediente sich der Hirsche und Wildschweine bei Bedarf für die Mahlzeit wie aus einem Vorratsraum.

 

Im Mittelalter und danach war der Damhirsch in ganz Europa verbreitet, weniger in der freien Wildbahn als in den Parks und Tiergärten der Könige und Fürsten. Man schätzte ihn als exzellenten Fleischlieferanten.

 

Seit Anfang der 70er Jahre wird in Rheinland-Pfalz und Hessen Damwild nutztierartig zur Fleischproduktion gehalten. In Rheinland-Pfalz waren 130 Betriebe mit ca. 6 000 Stück Damwild auf 800 ha Grünland im Verband landwirtschaftlicher Wildhalter Rheinland-Pfalz mit Sitz bei der Landwirtschaftskammer Bad Kreuznach organisiert. In Hessen waren 60 Betriebe mit 1.300 Damtieren auf 180 ha Grünland dem Hessischen Verband landwirtschaftlicher Wildhalter angeschlossen. Die durchschnittliche Gehegegröße liegt somit bei 5.7 bzw. 3.0 ha mit einem Besatz von 7.5 Damtieren pro ha.

 

Die weitere Entwicklung ist positiv einzuschätzen. In der Bundesrepublik rechnet man mit 1 545 organisierten Betrieben mit 45 900 Damtieren und einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 4.3 ha. Die Schwerpunkte liegen in Bayern, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Hinzu kommt noch eine große Anzahl nicht erfaßter Betriebe und kleinerer Hobbygehege.

 

In Europa konzentriert sich das Wildfarming auf Deutschland, Schweden, Österreich, Großbritannien und Dänemark.

 

Die beiden Landesverbände für landwirtschaftliche Wildhalter e.V. in Rheinland-Pfalz und Hessen haben am 12. Mai 1995 fusioniert zu einem Verband "DAMWILD farming mitte-west e. V." mit Sitz in Bad Kreuznach, in der Erkenntnis: Dass in einem geeinten Europa die offenen Fragen einer artgerechten und umweltschonenden Damwildhaltung, die Probleme der Gehegeeinrichtung und Gehegeeinbindung in das Landschaftsbild, die Bemühungen um Marketing und Vermarktungswege nicht Haltmachen vor irgendwelchen Länder- und Verwaltungsgrenzen, sondern in gleicher Weise formuliert werden können für die gesamte Region "Grünlandgürtel der Mittelgebirge".

 

Gerade in der Vermarktung musste in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht werden, dass nicht nur das Produkt und Qualitätsaussagen zum Produkt, sondern auch: wie und wo es erzeugt wurde! für die Akzeptanz beim Verbraucher von außerordentlicher Bedeutung sind.

 

Werbemaßnahmen, gezielt über die einschlägigen Medien, überspringen notwendigerweise Verwaltungsgrenzen. Damwildfleisch aus den "Grünen Gehegen" in Rheinland-Pfalz und aus HEKUL-Gehegen in Hessen ist von vergleichbarer Qualität, da Haltung, Fütterung, Pflege und Herrichtung vergleichbar sind.

 

"DAMWILD farming mitte-west e. V." versteht sich als Keimzelle für die Region Grünlandgürtel der Mittelgebirge. Es wünscht sich und hofft, von innen heraus, aber auch an den Rändern noch zu wachsen, um insbesondere neben der Direktvermarktung von Damwildfleisch und -spezialitäten neue und nachhaltige Vermarktungswege in Gastronomie und Fachmetzgereien aufzubauen und zu pflegen. Regionale Küche, Spezialitäten aus der Region, nachvollziehbare Erzeugungswege in der Region sind gefragt. Hier will "DAMWLD farming mitte-west" e. V. neue Akzente setzen.

 

Matthias Eul

1. Vorsitzender